It's Showtime - Leseprobe: Vorbereitung und Ablauf einer Lektion

Im Folgenden möchte ich euch eine kleine “Kostprobe” aus meinem Buch “It’s Showtime – Zirkuslektionen: Lernspaß für Pferd und Mensch” vorstellen. Hier geht es um die Vorbereitung und den Aufbau einer Übung.

Vorbereitung und Ablauf einer Lektion

Für eine erfolgreiche Trainingseinheit ist es wichtig, einen Plan im Kopf zu haben. Wie fange ich eine Übung an? Wie baue ich sie auf? Wie ist der geplante Ablauf? Bevor Sie mit dem Training beginnen, sollten Sie ein paar grundlegende Dinge dazu wissen: Stellen Sie Ihr Pferd immer in eine gute Ausgangsposition, aus der heraus es Ihre Anforderungen leicht umsetzen kann. Bei der Verbeugung zum Beispiel achten Sie darauf, dass das Pferd mit den Vorderbeinen weit nach vorn und möglichst breit steht. So kann es die Anforderungen (Kopf zwischen die Beine nehmen) gut umsetzen und ist nicht schon bei den ersten Versuchen frustriert, weil es Sie nicht versteht.

Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd das Röhrbein flächig aufsetzt und der Unterarm möglichst senkrecht zum Boden steht. Ideal ist ein rechter Winkel zwischen Röhrbein und Unterarm (Foto: Cadmos).
Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd das Röhrbein flächig aufsetzt und der Unterarm möglichst senkrecht zum Boden steht. Ideal ist ein rechter Winkel zwischen Röhrbein und Unterarm (Foto: Cadmos).

Zerlegen Sie die Lektionen in möglichst viele kleine Einzelschritte. Machen Sie in Gedanken eine Skizze der einzelnen Lernschritte, damit Sie ein klares Bild davon haben, was Sie Ihrem Pferd vermitteln möchten. Setzen Sie aber die Anforderungen dabei so niedrig an, dass das Pferd sie ohne  Probleme ausführen kann, und steigern Sie sie erst dann, wenn Sie sicher sind, dass Ihr Pferd den vorangegangenen Schritt verstanden hat. So erreichen Sie auf dem Weg zur fertigen Lektion viele Teilerfolge mit ausreichend Möglichkeiten, Ihr Pferd zu loben. Scheuen Sie sich nicht, bei auftretenden Schwierigkeiten noch einmal ein paar Schritte zurückzugehen. Es passiert leicht, dass man bei einem zufällig gezeigten Resultat den zweiten Schritt schon vor dem ersten macht, ohne dass das Pferd wirklich verstanden hat, was es tun soll.

Überlegen Sie sich ein eindeutiges, unverwechselbares Stimmkommando. Vermeiden Sie Ähnlichkeiten mit vorhandenen Kommandos. So klingt das Kommando „Zurück“ für das Pferd ähnlich wie das oft verwendete, lang gezogene „Schee-ritt“. Vermutlich wird das Pferd irgendwann die feinen Unterschiede erkennen lernen, aber warum sollen wir ihm das Lernen zusätzlich erschweren? Sobald das Pferd die Übung verstanden hat, können Sie das Kommando vorher und währenddessen mehrmals wiederholen. So lernt das Pferd, das Kommando mit der Übung in Verbindung zu bringen. Später geben Sie das Kommando nur noch am Anfang der Übung und wiederholen es nur, wenn nötig. Ziel ist das Ausführen der Übung nur auf das einmalige Kommando hin.

Wichtiger als das Stimmkommando ist zu Beginn jedoch das Signal, also die eigentliche Hilfe. Ein Sicht- oder Körpersignal wird das Pferd in der Regel schnell mit der Lektion in Verbindung bringen. Dies wird für gewöhnlich ein Gertensignal sein. Da gerade die Pferdebeine oft mit einer Vielzahl von Touchierhilfen belegt sind, sollten Sie hier besonders präzise arbeiten, um Verwechslungen zu vermeiden. Wieder soll das Pferd am Ende nur auf das Signal hin die Übung ausführen. Man nennt dies in beiden Fällen Signalkontrolle.

Jede Lektion muss ein eindeutiges Ende haben. Besonders gut eignet sich bei allen Übungen, in denen das Pferd in einer ungewöhnlichen Haltung steht, wie etwa beim Kompliment, das Kommando „Auf“, sofern man es nicht schon für eine andere Übung verwendet (zum Beispiel „Heb auf“).

Nach jeder für den Leistungsstand des Pferdes gut ausgeführten Übung wird das Pferd gelobt und/oder bekommt ein Leckerli. Führt das Pferd die Übung deutlich schlechter als gewohnt aus, sollte die Belohnung wegfallen und die Übung wiederholt werden. Das fördert den „Ehrgeiz“ des Pferdes und spornt es an, sich das nächste Mal besser anzustrengen. Führt es die Übung danach zufriedenstellend aus, wird es dafür umso reicher belohnt.

Das Üben einer Lektion sollte immer dann unterbrochen oder beendet werden, wenn das Pferd besonders gut war und für diesen Tag keine Steigerung zu erwarten ist. Sollte das Pferd die Übung nach mehrmaligen Versuchen deutlich schlechter ausführen als gewohnt, probieren Sie zunächst eine besonders leichte, vom Pferd gern ausgeführte Übung aus und versuchen Sie es später noch einmal. Auch wenn sich gegenüber dem letzten Mal keine oder nur eine geringe Verbesserung einstellt, geben Sie sich mit dem guten Willen Ihres Pferdes für heute zufrieden und freuen Sie sich darauf, dass es nächstes Mal sicher wieder besser klappen wird.

It’s Showtime – Zirkuslektionen: Lernspaß für Pferd und Mensch

144 Seiten; durchgehend farbige Abbildungen; Format 17 x 24 cm; broschiert. Erschienen im Cadmos Verlag 2011

  • ISBN-10: 3840410134
  • ISBN-13: 978-3840410130

Weitere Informationen zum Buch auf meiner Internetseite

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3 Kommentare
  1. Hi Sadi, nachdem ich wieder mal völlig traurig bin, dass ich nicht mehr reiten kann, habe ich an Dich gedacht und siehe da: es gibt soviel von Dir zu sehen, und ein Buch hast Du auch geschrieben. Meine Güte: ich bin so stolz auf Dich!!!! Du hast so viel geschafft. Da kannst Du Dir was drauf einbilden ;o). Ich denke oft an unsere Supersonderausritte und wieviel Spass wir dabei hatten. Und soll ich Dir noch was sagen: Ich glaube, ich hatte den falschen Lehrer… Wenn Du verstehst was ich meine… Mittlerweile glaube ich, ein Lehrer sollte dafür sorgen dass der Schüler mit dem eigenen Pferd klar kommt. Und nicht: Der Schüler sollte dem Reitstil des Lehrers nacheifern und dann erst mit dem Pferd klarkommen… Ich glaube, dann wäre ich um Einiges glücklicher mit meinem Pferd gewesen und zumindest weniger Selbstzweifel gehabt… Schön, dass ich Dich kennen gelernt habe…. Ich wünsch Dir alles Gute und Erfolg auch weiterhin

  2. Hey,

    schöne Kostprobe :-) Werde mir das Buch auf jeden Fall bestellen! Spielerisches Lernen ist genau mein Ding!

    LG

  3. Hallo :)

    Ich habe mir vor 4 Wochen das Buch gekauft und bin schlichtweg begeistert!!
    Das ist genau das was ich gesucht hatte, mit Verständnis und absolut ohne Zwang :)

    Da die “Basis” bei mir und meinem Pferd schon vorhanden war, haben wir mit dem Verbeugen angefangen und sind mittlerweile beim Kompliment.

    Es macht ihm unheimlich viel Spaß und jedes Mal wieder bin ich gerührt, wie sehr er mir doch vertraut!

    Lieben Dank und viele Grüße!
    Jessi + It’s Easy

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