Update: 16. Juni 2011!!!
Nun habe ich Tarek bereits seit 10 Jahren und hätte mir damals nicht mal im Traum ausgemalt, dass die Geschichte einen derartigen Lauf entwickeln würde. Fast 4 Jahre ist es nun her, dass ich ein Video von Tareks Entwicklung bei Youtube hochgeladen habe. Die Resonanz auf dieses Video verschlägt mir noch immer die Sprache. Inzwischen haben Sich fast 110.000 Menschen das Video angesehen, fast 800 davon haben das Video sogar kommentiert. Immer wieder werde ich auf dieses Video angesprochen, des öfteren bin ich nun sogar schon in ausländischen Foren auf einen Link zu unserem Video gestossen. Vielen Dank dafür!
Oft bekomme ich Mails von Menschen, die das Video oder Fotos von uns im Internet gefunden haben und mehr über uns wissen möchten. Nun können Bildern natürlich immer nur einen Teil des Geschichte erzählen. Deshalb für die, die es interessiert, an dieser Stelle nicht nur das Video, sondern auch die ganze Geschichte, die von Tarek und die von mir
…
httpv://www.youtube.com/watch?v=o5vhssbksO8
Der Roman zum Video
Mein Pferdeleben vor Tarek
Seit ich denken kann, habe ich mein Leben den Pferden gewidmet. Schon als Kind, konnte ich an keiner Pferdeweide vorbei gehen (das hat sich übrigens bis heute nicht geändert, noch heute schrei ich im Auto entzückt “Pferde”, sobald diese in Sichtweite sind …). Angefangen hat das ganze – ganz klassisch – mit Ponyreiten. Nahegelegen unseres Wohnortes fand sich eine Ponyreitwiese, auf der man neben dem geführten Reiten auch frei reiten durfte.
Schnell reichte das nicht mehr aus und ich konnte meine Mutter überreden, regelmäßig Reitunterricht zu nehmen. Sobald ich alt genug war, alleine in den Stall zu fahren, verbrachte ich jede Minute dort. Ich kümmerte mich um die Pferde, mistete Boxen und wann immer ich konnte, verschaffte ich den damals noch in Ständern gehalenen Pferde freie Bewegung. Es machte mich glücklich, diese wunderschönen Geschöpfe so frei herumtollen zu sehen. Ich hatte schon damals ein erstaunlich gutes Gefühl dafür, wann den Pferden unrecht getan wurde und wollte schon immer etwas anders machen, als es geläufig war. Leider hatte ich hier selten dazu die Möglichkeit.

Tarek bei der Ankunft 2001
Umzugsbedingt habe ich dann den Stall gewechselt und hatte dort ebenfalls die Möglichkeit, gegen Reiten zu helfen. Und ich half und ich ritt
Schulpferde und auch Verkaufspferde, die günstig eingekauft und teuer wieder verkauft wurden. Meist handelte es sich hierbei um Pferde, die in irgendeiner Weise problematisch waren. Doch auch diese Pferde ritt ich. Schnell wusste man meine Hilfe zu schätzen, so dass ich in die Ausbildung der Verkaufspferde mit einbezogen wurde. Ich bekam die jeweiligen Pferde “zugeteilt” und hatte in deren Ausbildung freie Hand. Und so ritt ich die Pferde nicht nur, sondern versuchte Ihnen tatsächlich zu Helfen, Ihre Traumata zu überwinden. Natürlich hatte ich damals noch nicht das Wissen und die Erfahrung, aber ich versuchte mich einfach mit Ihnen zu beschäftigen, sie zu beobachten und mich in sie hineinzufühlen. Hier kam ich im übrigen auch erstmals mit dem Training von Zirkuslektionen in Berührung
Ich begann eine Beziehung zu den Pferden aufzubauen und Ihr Vertrauen zu gewinnen, bevor ich mich das erste Mal drauf setzte. Teilweise wurde meine ungewöhnliche Arbeitsweise mehr schlecht als recht angenommen, wie sollte ein junges Mädel wie ich auch wissen, was sie tut… Aber die Pferde zeigten mir, dass ich auf dem richtigen Weg war. Während die anderen Mädels die Probleme im Sattel der ihnen zugeteilten Pferde ausdiskutieren mussten, hatte ich meist wenig Probleme. So gelang es mir in verhältnismäßig kurzer Zeit eine so solide Basis zu schaffen, dass “meine” Pferde schnell wieder in die Hand von Privatmenschen wechselten. Natürlich war ich jedesmal traurig, wenn eines “meiner” Pferde den Hof verlies, aber es war das Beste, was Ihnen passieren konnte. Je schneller, desto
besser. Hier fand ich auch mein vermeintliches Traumpferd – welches man mir trotz Ankündigung ohne mein Wissen hinter meinem Rücken weghandelte. So endete meine “Zweckbeziehung” zu dem dortigen Reitstall abrupt. Die Enttäuschung, Wut und die Trauer über den Verlust überwiegte. Ohnehin konnte ich die Haltung und den Umgang der Pferde nicht länger mit mir vereinbaren und wollte mit dem Kauf des Pferdes hier einen symbolischen Schlussstrich ziehen – wenn auch nicht ganz so plötzlich.

Tarek im Sommer 2001
Nach dieser eher unschönen, aber doch erfahrungstechnisch sehr bereichernden Zeit, ritt ich überwiegend Pferde von Privatleuten, die keine oder wenig Zeit hatten, sich um Ihre Pferde zu kümmern. Ich hatte das Glück, hierbei an eine bunte Mischung von Pferden zur Verfügung zu haben. Unter anderem hatte ich auch die Gelegenheit, ein außerordentlich gut ausgebildetes Warmblut zu reiten, auf dem ich reiterlich eine Menge lernen konnte. Ich nutzte die Möglichkeit und begann wieder im Unterricht zu reiten.
Während der Schulferien jobbte ich auf verschiedenen Reiterhöfen als Betreuerin. Als ehemaliges Ferienkind rutsche ich bereits mit 15 Jahren in die Position der Gruppenführung und sammelte hier meine ersten Erfahrungen im Unterrichten. Und ich hatte außerordentlich grosse Freude daran. Und die Kinder hatten außerordentlich grosse Freude an mir
Als ich mit knapp 17 dann die Schule verließ, war mein Berufswunsch ganz klar Pferdewirtin. Ein Ausbildungsplatz ließ nicht lange auf sich warten, wenn auch erst für das nächste Jahr. Bis dahin konnte im Reitstall jobben. Es lief außerordentlich gut, bis das Schicksal es – wie theatralisch das doch klingt
– eines Tages nicht gut mit mir meinte. In der Halle bra
ch mir mein Pferd aus und bockte. Ich verlor den Halt und geriet, den Fuß noch im Steigbügel hängend – zwischen Pferd und Hallenbande. Das Pferd machte einen Satz nach vorn und ich geriet, noch immer im Steigbügel hängend, zwischen die Pferdebeine, ehe der Bügel meinen Fuss endlich freigab. Das Ergebnis waren zahlreiche Prellungen und Brüche, u. a. ein gebrochenes Wadenbein und einen doppelten Bänderriss im Sprunggelenk und eine Verletzung des Kniegelenks (natürlich auf der anderen Seite …). 6 Wochen Krankenhausaufenthalt, einige Wochen im Rollstuhl sitzend und eine lange Zeit der phyiotherapeutischen Rehabilitation später, war die Beweglichkeit zum größten Teil wieder hergestellt. Meine Ausbildung als Pferdewirtin begann ich jedoch nicht.
Wie man zu einem Schlachtpferd kommt …
Stattdessen fing ich eine Ausbildung als Reitsportfachhändlerin an. Mittlerweile schrieben wir das Jahr 2000 und das bedeutete: ich war Volljährig! Während meine Mutter von dem ganzen “Reitzeug” verständlicherweise nicht mehr so begeistert war, sie hatte mich schließlich nicht wenig häufig stürzen sehen, kreisten meine Gedanken um ein eigenes Pferd. Wohlwissend meiner finanziellen Situation, konnte mich von dieser Idee auch keiner abbringen. 2001 sollte sich nun mein Leben grundlegend ändern, denn hier kommt mein tatsächliches Traumpferd ins Spiel: Tarek. Was als Hilferuf in einem Internetforum begann, endete keine Woche später blauäugig mit einer Fahrt mit dem Hänger 400km weiter richtung Süden, um dort die sprichwörtliche Katze im Sack zu erwerben. Nur dass es sich hierbei um ein 6 Monate altes Fohlen mit Schlachtpferdezukunft handelte. Er sollte zum Metzger, weil er “über” war. Ich war entsetzt, als ich das kleine Häufchen Elend das erste Mal sah. Entsetzt über den Zustand, aber auch entsetzt, wie ich nur auf eine solche Idee kommen konnte, ein Pferd ohne es gesehen zu haben, zu kaufen. Doch nun gab es kein zurück mehr. Irgendwie haben wir das kleine, schwache und zerzauste Ding dann auf den Hänger bekommen und gute 8 Stunden später auch wieder herunter.

Tarek 2004
Nach dem ersten Schreck und der allgemeinen Empörung meiner Miteinstallter, gaben Tierarzt und Hufschmied eine erste Einschätzung zur Güte. Stark unterernährt, psychisch und physisch in schlechter Verfassung, parasitär befallen (also total verwurmt) und wahrscheinlich noch nie einen Hufschmied gesehen. An vielen Stellen seines Körpers fehlte ihm – vermutlich aufgrund der Mangelernährung – das Fell. Es war also aufpäppelnde Arbeit angebracht. Zu all den gesundheitlichen Problemen, machte mir seine Psyche schwer zu schaffen. Entweder er stand mit hängendem Kopf auf dem Paddock, oder er war nahe daran, alles, was zwei Beine hatte, zu zerfleischen. Traurig, dass in seinem kurzen Pferdeleben schon soviel schief gelaufen sein musste, dass er ein solches Verhalten an den Tag legte. Glücklicherweise hatte ich damals sehr tolerante Miteinstaller.
Es dauerte, bis er mich wirklich an sich heranließ, etwa 3 Monate. Dann war er so weit, dass ich ihn die Stallgasse auf und ab führen konnte. Einige Monate später, konnten wir das auf kurze Spaziergänge ausweiten. Das Motivationsproblem blieb jedoch … Also habe ich angefangen, mit Tarek zu Clickern. Ich kannte das Clickern aus dem Hundetraining, war aber noch nicht auf die Idee gekommen, es mit Pferden zu versuchen. Eine Messevorstellung zum Thema bestärkte mich dann in meiner Idee, und ich begann, Tarek auf den Clicker zu konditionieren. Und siehe da … es funktionierte. Natürliche waren unsere Probleme nicht wie weggeblasen, aber das erste Mal, seit Tarek bei mir war, hatte ich das Gefühl, er hat Spass an dem, was er tut.
Ich hatte nun die Möglichkeit, Tarek stressfrei zu trainieren. Mittlerweile hatte sich sein “Verhaltensproblem” jedoch schon so weit verselbständigt, dass er es trotz Abschaltung der Ursache annahm, sobald ihm irgendetwas “gegen den Strich” ging. Er versuchte sich, über sein Verhalten jeglicher Anstrengung oder Förderung zu entziehen. Sobald er fand, es sei genug, schaltete er einfach auf “Durchzug” und blieb stehen. Ich war bereit, dieses Verhalten auszuschleichen, aber nicht vollständig zu tolerieren. Meine Toleranzgrenze war jedoch erreicht, als mein Pferd mitten auf der Hauptstrasse parkte und der Meinung war, nun reiche es. Ich dachte also über Alternativen zum alleinigen Clickertraining nach, denn in so einer Situation muss ein Pferd meiner Meinung nach “funktionieren”. Da bleibt kein Platz für Diskussionen.
Ich holte mir Unterstützung bei Silke Vallentin, einer Parelli Instruktorin. Außerdem verschlang ich jegliche Art von Literatur zum Thema Verhalten, Lernen, natürlichem Umgang … Dadurch lernte ich die Basics des Natural Horsemanship. Ich lernte, mein Pferd noch besser zu verstehen und die Dinge aus einer weiteren Perspektive zu betrachten. Ich verstand, dass mein Pferd kein Verhaltensproblem hatte, sondern ein Vertrauensproblem. Meinem Pferd fehlte die Führung. Das klassische Dominanzproblem. Heute weiß ich, dass dominante Pferde eigentlich Pferde mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis sind. Pferde, die eigentlich “Angst” haben und sich in der Not lieber auf sich selbst, als auf einen anderen verlassen.

Tarek 2005
Mit Natural Horsemanship konnte ich meinem Pferd also die Sicherheit bieten, die es benötigte. Die Hilfe von Silke hat mir sehr viel bedeutet und ich habe sehr davon profitieren können. Ich bin ihr nach wie vor sehr dankbar für Ihre Unterstützung. Unsere Wege trennten sich allerdings leider aus persönlichen Gründen wieder.
Ich beschloss, mein Pferd nicht ausschließlich nach Parelli zu trainieren, sondern weiterhin meinen eigenen Weg zu gehen. Ich schätze die Individualität eines jeden Pferdes und bin auch heute noch kein Freund davon, ein Pferd nach “Schema F” zu trainieren. Und ich möchte mich keinem starren System und seinen Restriktionen anschliessen, schon gar nicht, um mir irgendein Siegel auf die Stirn kleben zu können. Meine Einstellung, von jedem das Beste für mich zu nutzen, kollidierte zu dieser Zeit vermeintlich mit der vom System verlangten Einstellung “es kann nur eines geben”. Dazu muss man sagen, dass sich in den letzten Jahren – immerhin liegt das fast 8 Jahre zurück – im Parelli System sehr viel getan hat und das System heute deutlich offener ist und noch individueller auf die Bedürfnisse eines jeden Pferdes eingehen kann. Das nur am Rande…
Ich machte also auf eigene Faust weiter und mein Pferd fand allmählich vertrauen in mich. Seine “Schutzpausen” traten nun nicht häufiger auf, als bei anderen Pferden in seinem Alter. Man bedenke auch, dass Tarek zu diesem Zeitpunkt ja erst 2 1/2 Jahre alt war und dementsprechend auch nicht in “richtiger Arbeit” stand. Da ich mich beruflich umorientieren musste und es mich dahin von Hamburg nach Wuppertal verschlug, beschloss ich, Tarek noch für ein Jahr zur Hengstaufzucht zu geben. Die Zeit war schwierig für mich, aber Tarek brauchte gleichaltrige Kameraden und ich würde wenig Zeit haben. Tarek blieb also etwa ein Jahr auf der Aufzuchtstation, ehe ich ihn mit 3 1/2 Jahren zu mir holte.
Zuhause in Wuppertal
Als ich ihn aus dem Hänger führte, stand ein stattlicher, junger Henst auf dem Hof. Aus dem hässlichen Entlein wurde ein wunderschöner Schwan. Was keiner für möglich gehalten hatte und woran ich selbst zwischenzeitlich gezweifelt hatte, war eingetreten. Das Jahr “Auszeit” hat ihm sichtlich gut getan und so konnten wir langsam wieder mit Bodenarbeit anfangen.

Tarek 2007
Ich begann damit, die alten Lektionen wieder aufzufrischen. Auch mit dem Clickern begann ich wieder. Schnell zeigte sich, dass auch Tarek dazu gelernt hat. Er war viel selbstbewusster geworden und offenbar verstand er mich auch besser, als vor seiner Herdenauszeit. Das Sozialverhalten, welches beim Züchter zu kurz gekommen war, hat er offenbar in der Aufzucht nachholen können. Im neuen Stall hatte ich gute Möglichkeiten zum Training, neben der Reithalle, gab es auch einen Roundpen. Ich förderte ihn also im Horsemanship und begann erste Zirkuslektionen und Tricks. Wir beide hatten grossen Spass daran. Ich stand allerdings relativ allein auf weiter Flur und wurde belächelt, verurteilt, bevormundet und vor allem nicht verstanden. Aber das war mir egal, zu jeder Zeit wusste ich, es ist richtig, was ich tue. Aufgrund unüberwinderbarer Differenzen mit der Stallbesitzerin was meine Arbeit anging (“Ein Pferd in diesem Alter muss geritten werden …”), habe ich mich dann trotz der guten Bedingungen zu einem Stallwechsel entschlossen.
Unser Weg führte uns auf ein Kaltblutgestüt. Tarek bezog eine geräumige Paddockbox. Wir fühlten uns beide wohl auf dem Hof und hier gab es niemanden, der uns belächelte. Ich führte die Arbeit fort und Tarek lernte mit Hilfe des Clickertrainings und der richtigen “Pädagogik” viele Tricks wie z. B. Teppich ausrollen, Flehmen, und Apportieren und die ersten Zirkuslektionen wie Verbeugung, Kompliment, Spanischen Schritt und die Ansätze zum Liegen, Sitzen und Steigen. Er war unglaublich motiviert und gelehrig. Und mit seiner sympathischen Art zog er schon damals die Leute magisch an
Tarek war nun 4 und ich beschloss, ihn anzureiten. Ich holte mir eine kleine, leichte Reiterin dazu, um ihn erstmals mit Gewicht zu belasten. ausgerüstet mit Knotenhalfter und Halsring, lag Sie sich zuerst einmal über seinen Rücken, wovon er sich nicht im geringsten stören liess. Kurz darauf konnte sie sich schon auf ihn setzen. Er hatte Vertrauen und so liess er sich auch durch diese ungewohnte und völlig neue Erfahrung nicht aus der Bahn werfen. Nach einigen Stunden mit “der Feder” auf seinem Rücken, wagte ich ebenfalls einen ersten Versuch. Geduldig schritt er auch mit mir auf dem Rücken voran. Tarek hatte durch die Bodenarbeit bereits genug Muskeln aufgebaut, um mit dem Reitergewicht gut zurecht zu kommen. Ich ritt nun regelmäßig, aber immer nur kurze Reprisen in der Halle.Es war in Ordnung, aber es fühlte sich noch nicht richtig an. Ich gönnte ihm daher noch eine weitere reitfreie Zeit.
Außerdem stand ich vor der Frage, Hengst oder Wallach. Schweren Herzens, aber guten Gewissens entschied ich mich zu letzterem. Tarek sollte schließlich in erster Linie Freizeitpferd werden, eine Körung stand ebenfalls nicht zu Debatte. Obwohl er immer noch sehr lieb war, stiegen ihm seine Hormone von Zeit zu Zeit zu Kopf. Ich kam damit zurecht, aber schließlich war ich nicht die einzige, die ihn händeln können musste. Da wir außerdem immer recht viele Kinder um uns haben und die Haltung von Hengsten bekanntlich nicht immer einfach ist, war es die richtige Entscheidung. Ich wollte weder ihm noch mir diesen ständigen Dauerstress zumuten. Die OP in der Klinik verlief gut und Tarek verkraftete alles bestens. Er erholte sich schnell und schon bald war er wieder “ganz der Alte” – fast

Sady und Tarek 2009
Ein wahrer Rosenkrieg zwischen den Eheleuten die das Gestüt ihr Eigen nannten, zwang mich und die Stallbelegschaft zu einem raschen Umzug in einen anderen Stall. Viel Zeit zu suchen blieb nicht, also gingen wir in den Nachbarstall. Auch hier fanden wir schnell Anschluss. Im Sommer 2005 begann ich wieder regelmäßig zu Reiten und bald waren wir so weit, dass wir auch Ausritte unternehmen konnten. Eine gelungene Abwechslung für uns beide. Die Ausritte wurden länger und hin und wieder übernachteten wir sogar bei einer Freundin einige! Dörfer weiter. Außerdem versuchten wir, eine Reitlehrerin zu finden, die uns unterstützen konnte. Die Suche war leider nicht erfolgreich. Einen klassischen Ausbilder zu finden, ist ohnehin schon schwierig. Einen klassischen Ausbilder zu finden, der wirklich weiß, was er tut, noch schwerer. Wir hatten einige Probestunden, aber dabei war nichts… Selbst wenn der Unterricht an sich gut war, so waren die ein oder andere Trainerin einfach nicht Kaltblut-kompatibel. Von der letzten Reitlehrerin trennte ich mich nach 3 Stunden wieder, weil ich immer zu hören durfte “Das ist ok … für ein Kaltblut.” oder “Naja, da kann man auch nicht viel erwarten bei einem Kaltblut, damit muss man sich abfinden.” Mit einer solchen Arbeitseinstellung macht eine Zusammenarbeit meiner Meinung nach keinen Sinn. Selbstverständlich muss man die individuellen Besonderheiten eines “besonderen” Pferdes bei der Arbeit berücksichtigen. Aber davon auszugehen, dass man von einem Pferd, welches möglicherweise nicht seinem Ideal entspricht, weniger erwarten sollte oder diesen gar als schier hoffnungslos aufzugeben, ist nicht akzeptabel. Wie soll so jemals eine geeignete Basis gefunden werden, wenn man sowieso davon ausgeht, er lernt es nie? Also habe ich die Zusammenarbeit mit Ihr beendet und auch Sie fand am Ende, dass Sie bei den Spaniern – die sie hauptsächlich unterrichtete – besser aufgehoben sei.

Tarek und Sady 2010
Dann gelang ich endlich an einen Trainer, der zu uns passte. Und uns ein Stück weit auf den Pfaden der klassischen Reitkunst begleiten konnte. Außerdem hatte Tarek nun eine Reitbeteiligung, da ich zunehemends eingespannt in meine Ausbildung und Nebentätigkeit hatte. Verena war zwei mal die Woche da und kümmerte sich hervorragend um Tarek. Wir drei waren ein selten gutes Gespann und ich war froh, dass man auf Sie zählen konnte. Im Winter stellte sich heraus, dass Tarek in der Wallachherde nicht integrierbar war. Es kam ständig zu Schlägereien, bei denen mein Pferd den Kürzeren zog. Eine Alternative was den Auslauf betraf, gab es nicht, da nur ein Paddock für die Wallach zur Verfügung stand. Außerdem war die Halle für uns relativ klein und wir sehnten uns nach etwas Größerem. Wir trennten uns schweren Herzens erneut von einem Stall. Er war ja ohnehin eine “Notlösung” gewesen, aber wir haben uns aufgrund der Leute sehr wohl gefühlt. Wir zogen in den Stall, in dem auch mein Reitlehrer stand. So hatten wir stets einen Ansprechpartner in der Ausbildung zugegen. Scheinbar lastete jedoch ein “Reitstall Fluch” auf uns, denn nicht lange nach unserem Einzug, machten sich die Freizeitreiter mehr und mehr aus dem Staub und die Belegschaft wechselte auf gehobenes Sportniveau. Der Weg zur Longierhalle, in der Bodenarbeit noch möglich war, wurde nahezu zu einem Spiessrutenlauf. Das und die enorme Fahrtzeit belastete uns dermaßen, dass wir uns erneut und wehmühtig zu einem Wechsel entschlossen. Hörte das denn nie auf?
Eine vielseitige Ausbildung
Der neue Stall war glücklicherweise in der Nähe meines Wohnortes. Tarek bezog hier eine tolle Aussenbox und man ging sehr auf unsere Bedürfnisse ein. Wir fanden sehr schnell Anschluss und es bildeten sich gute Freundschaften, die auch heute noch Bestand haben. Wir hatten außerdem das Glück, einen Ausbilder der klassischen Reitkunst mit kaltbluterfahrung im Stall zu haben. Er besass ebenfalls – neben einem Friesen – noch einen Kaltblutwallach, denn er bis zum schweren Niveau ausgebildet hatte. Er nahm uns an die Hand und wir machten gute Fortschritte unter seiner Anleitung.
Durch Zufall ergab es sich, dass wir zum Voltigieren kamen. Eigentlich war es nur eine Schnapsidee, mit ein paar der Mädels auf Tarek zu voltigieren. Dann wurde das ganze zu einem Projekt für die Weihnachtsfeier. Und schließlich entstand daraus eine feste Voltigiergruppe mit wöchentlichem Training. Tarek wurde von mir zum Voltigierpferd ausgebildet und ich machte das Longierabzeichen der klasse IV und III und legte den Trainerassistent Voltigieren ab. Die Mädels waren klasse und nach einem Jahr Übungszeit haben wir unser geheimes Ziel, die Weihnachtskür, erreicht. Anfangs wurden wir von allen im Stall nur belächelt. Man traute uns nicht zu, dass wir es hier zu etwas bringen würden. Aber letztendlich waren alle einfach nur überrascht, wie gut es funktionierte. Unsere Kür klappte wunderbar und die Freude und Begeisterung war gross. Ich denke gerne an die Zeit zurück und plane, auch in meinem jetzigen Stall wieder eine Voltigiergruppe zu gründen. Die Kombination Kind und Pferd liegt mir einfach sehr gut und macht viel Spass, wenngleich man auch eine hohe Verantwortung trägt. Ich finde es faszinierend zu sehen, wie sich das ganze im Laufe der Zeit zu einer Einheit entwickelt. Wie die Kinder lernen, Verantwortung für das Pferd, die Gruppenmitglieder und sich zu übernehmen und sich gegenseitig zu unterstützen. Im Voltigieren können den Kindern auf eine tolle Art und Weise Werte vermittelt werden, die sie für Ihre Entwicklung gebrauchen können und die in der heutigen Zeit oftmals viel zu kurz kommen.

Tarek und Sady
2008 war ein schwieriges Jahr. Nach meiner Lehre hatte ich zu meiner neuen Stelle einen Arbeitsweg von über 60 km pro Fahrt. Außerdem war ich durch Krankheit mehrere Wochen fast komplett ausser Gefecht gesessen. Also kamen wir wieder nicht ans regelmäßige Arbeiten. Dafür haben wir die Bodenarbeit ein wenig ausgebaut. Wir haben uns mehr dem Horsemanship gewidmet, alte Lektionen wieder aufgefrischt, neue Tricks gelernt uns es ansonsten eher ruhig angehen lassen.
Zurück in die alte Heimat – Hamburg, wir kommen wieder
Ende 2008 beschloss ich, zurück in meine Heimat Hamburg zu kehren. Tarek habe ich jedoch erst nachgeholt. Im Januar Zog ich mit ihm in den “Reitstall Wüstenkate” bei Kaltenkirchen, nördlich von Hamburg. Man empfang uns freundlich und alle schlossen Tarek natürlich sofort in ihr Herz
Wir fühlten uns sofort wie zuhause. Und ich traf endlich auf Gleichgesinnte, auf Leute, mit denen ich mich austauschen konnte. Natural Horsemanship und klassische Reitkunst waren hier keine Fremdworte, sondern eine Selbstverständlichkeit. Das Pferd hat hier oberste Priorität. Neben Corinna Scholz, die die klassische Reitlehre vermittelt, bietet unser Stall auch regelmäßig Kurse und Workshops renommierter Ausbilder. Außerdem hat das “Team Légèreté”, dem ich beigetreten bin, dort seinen Vereinssitz.
Und es passierte etwas, was ich schon nicht mehr für möglich gehalten habe
Ich habe endlich eine Reitlehrerin gefunden, der ich vertraue und die zu uns passt. Petra Köpcke ist Schülerin von Phillipe Karl und Teilnehmerin der “Schule der Légèreté” und wird diese im Jahr 2010 abschliessen. Petra habe ich bereits beim Workshop des Team Légèreté kennengelernt und mir ist gleich aufgefallen, mit wieviel Freude und Herzens-Engagement sie den Teilnehmern ihr Wissen weitervermittelt. Das hat Petra auch im Reitkurs wieder wunderbar gemacht. Besonders beeindruckt hat mich, mit welcher Präzision sie Pferd und Reiter lobt. Durch das punktgenaue Loben weiß man genau, was man richtig macht, kann sich die die eigene Aktion, die Reaktion des Pferdes und das Gefühl merken und so zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen. Petra ist in der Lage Fehler zu erkennen, noch bevor Sie entstehen um so ggf. notwendige Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Sie wartet nicht auf Fehler, sondern lobt, solange es noch richtig ist. Reiten kann so schön sein! Und es steigert den Lerneffekt ganz enorm und zeigt, dass Sie als eine der wenigen Trainerinnen die ich kenne, wirklich die Lernpädagogik und Motivationsphilosophie verstanden hat, um das Training effektiv zu gestalten.
Ich habe daraufhin mit Tareks Ausbildung noch einmal komplett von vorne begonnen, um endlich eine vernünftige Basis zu schaffen. Auf dem Weg zur finalen Leichtigkeit erarbeiteten wir erneut Abkauen, Biegen, Impulsion, Aktion-Reaktion, … und gelangten so zu einem soliden Vorwärts-Abwärts. Nach einigen Wochen hatte Tarek wieder deutlich an Muskulatur zugelegt, war motiviert bei der Sache und hatte ein viel besseres Gleichgewicht. AUch der Galopp, der schon immer unser Problem war, hatte sich deutlich verbessert.
Auch unsere Horsemanshiparbeit hat sich verändert. Ich lernte durch Margret, die Schülerin von Honza Blaha ist, dessen Philosophie kennen und schätzen. Anders als bei der Arbeit im PNH System, hatte die Gymnastizierung hier von Anfang an einen hohen Stellenwert. Für Honza ist das Pferd ein Familienmitglied ein Individuum, ein Freund. Hier fand ich viele Werte, die mir bei der Arbeit nur nach Parelli vermisst habe. Jeden Donnerstag finden wir uns im Stall zusammen und spielen mit unseren Pferden. Dabei unterstützen wir uns alle gegenseitig. Ich konnte in den letzten Monaten unglaublich viele, neue Inspirationen gewinnen. Viele Dinge, die sich mangels Austausch festgefahren hatten, lösten sich von ganz allein. Tarek hat einen richtigen Motivationsschub bekommen, der bis heute anhält
2009 und 2010war also absolut unseres. Es ist kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht und wieviel Neues man auch nach 9 oder 10 Jahren (oh man, so lange schon …) der Zusammenarbeit noch erlebt. Wir haben mit dem “Showteam Corinna Scholz” und dem Team Légèreté unsere ersten öffentlichen Auftritte, z. B. auf der Messe Nordpferd 2009, hinter uns gebracht. Die Resonanz war überwältigend. Es treibt mir jedesmal die Tränen in die Augen, wenn ich nach einem Auftritt angesprochen werde, wie sehr man sicht von unserer “Vorstellung” berühren ließe. Ich hätte nie geglaubt, dass unsere Arbeit jemanden zu Tränen rühren könnte … Ich freue mich sehr darüber, wenn ich ein Stück weit “Vorbild” sein kann und die Leute zum Nachdenken und Nachmachen anregen kann. Außerdem erstaunt es mich immer noch, wieviele Menschen unsere Videos und unsere Entwicklung auf Youtube mitverfolgen und uns “erkennen”. Ich wurde so oft angesprochen, dass das “doch der Tarek von Youtube” sei. Vielen, vielen Dank dafür!
Im letzten Jahr hatte ich “leider” weniger Zeit für Tarek, als ich gerne gehabt hätte. Ein langgehegte Vorhaben konnte ich endlich in die Tat umsetzen und nach einem Jahr intensiver Arbeit, ist Anfang März im Cadmos Verlag mein Buch “It’s Showtime – Zirkuslektionen: Lernspaß für Pferd und Mensch” erschienen. Hierin habe ich all meine Erfahrungen zum Thema Zirkuslektionen niedergeschrieben. Es war also nicht nur ein ergiebiges, sondern auch für mich sehr lehrreiches Jahr voller Selbstreflektion und neuer Erfahrungen.
Während des Schreibens wuchs der Wunsch, meine Erfahrungen nicht nur in schriftlicher, sondern auch in persönlicher Form weiterzugeben und zumindest einen Teil meines Lebensunterhaltes mit dem Training von Pferd und Mensch zu verdienen. Nicht, dass das nicht schon immer ein Traum war, doch nun war er quasi zum Greifen nah. Mit Erscheinung des Buches, habe ich nun also angefangen, mich neben meinem Hauptberuf in der Bank, mehr dem Unterrichten zu widmen und muss sagen, es ist genau das, was ich machen möchte! Deshalb freue ich mich, wenn ihr mich dabei unterstützt und einen Kurs mit mir organisiert
Das Jahr 2011 ist für Tarek und mich schon jetzt ein ganz besonderes Jahr. Es ist das erste Jahr, in dem wir uns intensiver Auftritten widmen – und das ist für uns beide gar nicht so leicht. Eigentlich bin ich gar nicht so sehr der Typ dafür und meine Nervosität machen die Auftritte für uns beide nicht unbedingt leichter. Tarek ist zwar ein sehr selbstebwusstes Pferd, aber er merkt es durchaus, wenn irgendetwas nicht stimmt und sagt dann ggf. auch einfach “nein”. Das ist auch sein gutes Recht, denn schließlich ist meine “Nervosität” ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Dieses Jahr ist also auch dem Abbau meiner Nervosität und der Routine gewidmet. Wir haben nun schon Auftritte hinter uns: Die Eröffnung des Krämer MEGA Stores, die Nordpferd, der Pferdemarkt in Treia … und jedesmal gewinnen wir an Sicherheit. Ich versuche einfach zutun, was ich immer tue – Show nach “Programm” oder “Ablaufplan” liegt uns nicht und mein Hauptanliegen ist zu zeigen, wieviel Spaß man mit “JEDEM” Pferd haben kann und das dies nicht einer bestimmten Pferd-Mensch-Gruppierung vorbehalten ist. Und natürlich auch welchen Stellenwert und Nutzen Zirkuslektionen im täglichen Training haben können und wie Pferd und Mensch davon profitieren.
Ansonsten habe ich mir vorgenommen, was ich mir immer vornehme: mehr Reiten
Schaun wir mal, was daraus wird! Es stehen dieses Jahr wieder einige Kurse an, z. B. bei Honza Blaha, bei unserer Trainerin, die jetzt ganz offizell Reitlehrerin nach der Schule der Légèreté ist, Berni Zambail und mal sehen was oder wer noch so kommt.
Viel Spass mit euren Vierbeinern und keep on learning
Sady und Tarek



