Das Friendly Game ist das 1. von 7 Spielen, die uns dem Pferd näher bringen und die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch nicht nur verbessern, sondern zuerst einmal herstellen sollen. Mit dem Friendly Game beginnt und endet im Idealfall nicht nur das Training, sondern jede Aufgabe im Natural Horsemanship.
Das Friendly Game

 

 

 

 

 

 

 

 

Empfehlenswertes Equipment sind Knotenhalfter und Arbeitsseil, sowie ein Kontaktstock mit einem entsprechenden Seilchen, dem so genannten String. Theoretisch lässt sich das Prinzip auch mit anderem Equipment erarbeiten, doch dieses Equipment hat sich als besonders geeignet erwiesen.

Es ist das Spiel, welches meiner Meinung nach am häufigsten unterschätzt wird, denn die wenigsten machen sich wirklich Gedanken, welchen Sinn das Friendly Game erfüllt.

Das Friendly Game erfüllt in meinen Augen folgende Zwecke:

  • Es zeigt dem Pferd unsere freundliche Absicht und gewöhnt es an das Equipment
  • Es verbessert die Einstellung des Pferdes zum Menschen und zur Arbeit
  • Es hilft dem Pferd, ungewohnte Dinge zu überwinden, die es ängstigen, und hilft dem Menschen entsprechende Muster (u. a. „Annäherung und Rückzug“) zu entwickeln, um sein Pferd dabei zu unterstützen
  • Es stellt Neutralität her
  • Es konditioniert Entspannung

Oft wird das Friendly Game eher stiefmütterlich behandelt und kommt nur zu Beginn des Trainings zum Einsatz, dabei kann es so viel …

Gewöhnung und Entspannung mit Friendly Game

Ich beginne damit, dass ich das Pferd zuerst an den „weichen“ Körperstellen und dann an den Beinen mit den Händen abstreiche und streichle. Das wiederhole ich dann mit dem Seil. Ich kann auch das Seil über den Rücken des Pferdes schwingen. Wenn das Pferd dies problemlos akzeptiert, streichle ich mit dem Stick in der gleichen Vorgehensweise. Hierbei halte ich den „String“, also das Seilchen am Stick, zunächst fest. Wenn auch das klappt, dann lasse ich den String los und wiederhole das Ganze.  Als nächstes „schwinge“ ich den String des Seils über den Rücken des Pferdes. Achtung, dass der String sich dabei weich um das Pferd legt und nicht auf der gegenüberliegenden Seite an den Pferdekörper „klatscht“. Später kann ich das Seil oder den String auch neben dem Pferd auf den Boden klatschen lassen oder über den Kopf des Pferdes schwingen und dieses auch aus anderen Positionen tun, ohne dass das Pferd sich unwohl fühlt.

Wichtig ist: zeigt das Pferd an einem der Punkte Unwohlsein oder gar Angst, nähere ich mich nur so weit an, wie das Pferd dieses noch akzeptiert. Nach einem kurzen Moment der Annäherung, entferne ich den Reiz wieder, BEVOR das Pferd erneut deutliche Anzeichen von Unwohlsein zeigt. Akzeptiert das Pferd dies, nähere ich mich weiter oder lasse meine Hand, das Seil oder den Stick, einen Moment länger am Pferd. So taste ich mich Schritt für Schritt vor, bis das Pferd sich an den Reiz gewöhnt hat. Im Zweifel lieber einen Schritt zurückgehen, als zu forsch voran.

Anders als die meisten Horsemanship Trainer, halte ich es nicht für sinnvoll, dass Pferd so lange mit dem Reiz zu konfrontieren, bis es aufhört, sich dagegen zu wehren oder sich vermeintlich dran gewöhnt hat. Häufig sieht es nur so aus, als würde sich das Pferd daran gewöhnen, stattdessen ist es überreizt und hat gelernt, dass sich wehren und weglaufen zwecklos ist und wird passiv. Diese Erfahrung ist für die Pferdepsyche nachhaltig, denn das Pferd lernt, dass es keinen Sinn macht, seine Meinung zu äußern. Ein erster Schritt in Richtung „erlernte Hilflosigkeit“, welche auch das Lernverhalten nachhaltig negativ beeinflusst.

Das Prinzip von „Annäherung und Rückzug“ ist also Bestandteil des Friendly Game und somit das Mittel, um das Pferd an ungewohnte Dinge zu gewöhnen. Es leistet uns so nahezu täglich gute Dienste – wenn man erkennt, wo man es einsetzen kann und sollte.

Bei allem was wir tun, ist es wichtig, von Anfang an eine entspannte, eher unfokussierte Haltung einzunehmen. Das Pferd soll spüren, dass es bei uns sicher ist und keine Gefahr von umgebenden Dingen ausgeht. Es sollte jegliche Spannung aus dem Körper gewichen sein. Diese Haltung nehmen wir immer ein, wenn wir das Friendly Game durchführen. Das Pferd lernt mit der Zeit, dass unsere Haltung die Situation wiederspiegelt. Mit je mehr Gegenständen oder in je mehr Situationen wir das Pferd im Alltag damit konfrontieren, je öfter wir das Friendly Game durchführen, desto klarer wird diese Verbindung unserer Haltung mit Entspannung.

Wenn das Pferd in einem Moment des Friendly Games den Kopf senkt, lobe ich es für diese Handlung, sei es mit ausgiebigem Kraulen, Stimme oder – gute Futtermanieren vorausgesetzt – mit Futter. Später beginne ich stets mit dem gleichen Muster, z. B. hinten an der Kruppe abstreichen oder mit dem String über den Rücken schwingen, so dass das Pferd eine Verbindung meiner Handlung mit dem Senken des Kopfes und Entspannung herstellt. Auf diese Weise kann ich Entspannung konditionieren und so in Situationen abrufen, in denen dies wichtig ist.

Friendly Game in der Arbeit – Fokus und Körperspannung

Noch einen wichtigen Grund hat es, sich beim Friendly Game entspannt zu zeigen. Es lehrt uns, unseren Körper und insbesondere unsere Körperspannung, zu kontrollieren. Bei der Arbeit bedeutet Spannung im Körper und Fokus (=Blick- oder Körperrichtung) stets eine Anfrage an das Pferd. Gerade, wenn in der Arbeit mit Druckabstufungen von 1 bis 4 gearbeitet wird, wie es beim Horsemanship der Fall ist, ist es wichtig, seinen Körper ohne Aufwand kontrollieren zu können, damit der Blick frei bleibt für die Reaktionen des Pferdes. Wer kein gutes Friendly Game als Grundlage hat, wer nicht gelernt hat, sich für das Pferd spür- und sichtbar zu entspannen, wird nie in den Genuss einer ehrlichen Phase 1 kommen. Zwischen Entspannung/Friendly Game und Phase 1 sollte ein deutlicher Unterschied bestehen und zwar nicht, indem man die Phase 1 durch mehr Druck abgrenzt. Fehlendes Friendly Game ist häufig der Grund für zu viel Druck in der Kommunikation.

Friendly Game ist auch wichtig, um die Beziehung und die Kommunikation zu verbessern. So lernt das Pferd, das nicht jede unserer Bewegungen auch eine Aufgabe darstellt und wir auch einfach mal nur Zeit mit ihm verbringen möchten – ohne Forderungen. Wird das Friendly Game vernachlässigt, erhält man häufig ein vermeintlich „ungeduldiges“ oder übermotiviertes Pferd, dabei spiegelt das Vorausnehmen von Lektionen häufig auch eine gewisse Unsicherheit und mangelnde Signalkontrolle wieder. Das Pferd schwenkt schon mit der Hinterhand aus, wenn der Mensch sich nur Richtung Hinterhand bewegt, das Pferd erkennt den Unterschied zwischen Spannung und Entspannung nicht und gerät unter Zugzwang, da es unter Umständen sogar Druck erwartet, wenn es nicht reagiert. Um dies zu vermeiden, bietet es das Verhalten an, bevor die eigentliche Frage gestellt wurde. Zwar sollte vor jeder Anfrage an das Pferd Friendly Game erfolgen, ähnlich wie eine halbe Parade, wer jedoch nur dann an die Hinterhand geht, um eine Aufgabe  anzukündigen, darf sich nicht wundern, wenn das Pferd diese voraussieht. Nachdem das Pferd unsere Frage (z. B. bewege deine Hinterhand) positiv beantwortet hat, muss jegliche Spannung aus dem Körper genommen werden und wir gehen zurück zum Friendly Game.  Wer zudem verpasst, anfangs auch schon die geringste Reaktion des Pferdes, sei es auch nur ein Muskelzucken oder ein Entlasten in die richtige Richtung, durch sofortiges Nachlassen von Druck und anschließendes Friendly Game zu honorieren, wird seinem Pferd später mühsam erklären müssen, dass es auch in der Lage ist, sich einzelne oder gar halbe Schritte zu bewegen. Denn Ziel ist es, dass Pferd auch ohne Hilfsmittel durch einfaches Entspannen wieder zu stoppen.

Ihr seht also, das Friendly Game ist im Grunde genommen die Basis jeglicher Arbeit und sollte nicht unterschätzt werden. Es sollte mit genauso viel Sorgfalt behandelt werden, wie die übrige Arbeit mit dem Pferd. Denn nur eine solide Basis und ein  gutes Fundament befähigen uns zu einer feinen Kommunikation mit unserem Pferd – das sind wir ihm schuldig!

[message type=”custom”]Dieser Artikel ist der erste einer Reihe von Artikeln über die „7 Spiele“ aus dem System „Parelli Natural Horsemanship“ und zwar, so wie ich sie verstehe. Die „7 Spiele“ sind die Grundlage einer naturnahen Kommunikation und spielen daher in meiner Arbeit eine wichtige Rolle. Der amerikanische Pferdetrainer und „Vater“ des Parelli Natural Horsemanship hat hierbei den Umgang mit dem Pferd in 7 Spiele aufgeteilt, die auf natürliche Weise ein Zusammenarbeiten mit dem Pferd ermöglichen sollen. Natürlich gab es auch schon vor ihm Menschen, die auf diese Art und Weise gearbeitet haben, doch er war derjenige, der diese Arbeit in einem Selbstlernstudium zusammengefasst und aufgearbeitet hat.

Die Arbeit nach Parelli hat mich in meiner Haltung geprägt, auch wenn ich heute in vielen Dingen anderer Meinung bin – so glaube ich zum Beispiel längst nicht mehr daran, dass die Beziehung zwischen Pferd und Mensch von Dominanz und Rangordnung bestimmt ist. Die Grundidee der 7 Spiele finde ich dabei grundsätzlich gelungen, doch im Laufe der Jahre habe ich natürlich auch meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse mit einfließen lassen. Daher weicht meine Definition ggf. in einigen Punkten von der des Originals ab.[/message]