Mach mal wieder Pause!„Pausen“ sind im Pferdetraining ein wichtiges Instrument für einen sinnvollen Trainingsalltag. Doch das Verständnis von „Pause“ ist sehr vielfältig. Für die einen ist Pause eine vollwertige Belohnung und Ersatz für Futter als Belohnung, für andere funktioniert Belohnung nur als Erholung, nicht als Belohnung. Falsch eingesetzt, kann Pause statt Erholung sogar Bestrafung für das Pferd sein. Es ist also wichtig, sich mit dem Thema Pause, und was Pause ist oder nicht ist, kann oder nicht kann, einmal näher auseinander zu setzen.

Zuerst sollten wir einmal per Definition festhalten, was eine Pause überhaupt ist. Das Online-Lexikon Wikipedia beschreibt Pause folgendermaßen: „Eine Pause ist die zeitlich begrenzte Unterbrechung eines Vorgangs.“ Hieraus ergibt sich also noch keine Wertigkeit, also eine Pause ist per Definition erst einmal weder „gut“ noch „schlecht“.

Wie eine Pause vom Pferd angenommen wird, orientiert sich an verschiedenen Faktoren. Maßgeblich sind hier Trainingsaufbau und Bedürfnisse des Pferdes.

Im Training unterscheide ich zwischen Erholungspausen und Belohnungspausen. Ihr Zweck ergibt sich durch die Bezeichnung: Während Erholungspausen der Erholung zwischen Trainingsabschnitten dienen, dienen Belohnungspausen dazu, Verhalten zu verbessern.

Erholungspausen – Pausen zur Erholung

Pausen im Schritt können als geistige und körperliche Erholung dienenIm Training fordern wir unser Pferd sowohl geistig als auch körperlich. Genau wie wir Menschen, tritt demnach nach einiger Zeit eine Ermüdung ein, die ein Weiterlernen erschwert. Ein wichtiges Element, um das Pferd auch während des Trainings motiviert und aufnahmefähig zu halten, sind hier Erholungspausen. Die Pause soll hierbei für das Pferd körperliche und geistige Erholung sein.

Das bedingt, dass wir dem Pferd hierbei keine anstrengenden Lektionen abverlangen. Beliebt ist es, das Pferd ein oder mehrere Runden entspannt am langen Zügel oder Seil gehen zu lassen. Das kann funktionieren, wenn das Pferd sich hierbei nicht anstrengen braucht. Wenn wir im Schritt noch an den Grundlagen arbeiten oder es häufig zu Meinungsverschiedenheiten bei der Richtung, der Gangart oder anderen Wünschen des Pferdes kommt, sollte man hierbei jedoch auf andere Möglichkeiten zurück greifen. Manchmal macht es Sinn, einfach für einen Moment stehen zu bleiben oder sogar abzusteigen. Wichtig ist, dass das Pferd in dieser Zeit das Gelernte verarbeiten kann und sich nicht anstrengen muss, damit auch die Muskulatur sich erholen kann. Nur so kann die Pause zur Erholung werden. Es ist also wichtig, Erholungspausen auf das jeweilige Pferd abzustimmen, damit diese auch wirklich eine Erholung für das Pferd sind.

Falsch eingesetzt, können Pferde "Pause" als negative Strafe empfinden, da sie den Entzug von Aufmerksamkeit und Belohnung bedeutenArbeite ich im Training überwiegend mit positiver Verstärkung, arbeitet das Pferd gerne mit und kann nicht genug davon bekommen, sind Pause umso wichtiger, damit das Pferd nicht überfordert wird oder unter dem „Erwartungsstress“ leidet. Breche ich hierbei jedoch das Training ab und „verordne“ dem Pferd Ruhe, kann die von uns verlangte Pause durchaus auch als Strafe aufgefasst werden. Denn als negative Strafe bezeichnet man das Vorenthalten von etwas Erwünschtem. Ignoriere ich also das Pferd in seinen Bemühungen, enthalte ihm Futter, Belohnung oder Aufmerksamkeit vor, bestrafe ich es demnach. Sicherlich führt dies auch dazu, dass das Pferd seine Bemühungen einstellt, allerdings aus Resignation und Frustration, dass seine zuvor anerkannte Leistung nun ignoriert wird.

Besser ist es hier, Pausensignale und Rituale einzuführen. Die Pause sollte hierbei mit einem eindeutigen Signal gekennzeichnet werden. Hierzu kann ein Stimmsignal dienen, oder auch ein Körpersignal. Ich leite also die Pause mit einem Signal ein und stelle mich an den Rand des Reitplatzes oder lasse das Pferd dort grasen. In dieser Zeit bedeute ich dem Pferd, dass es „Freizeit“ hat und ich keine Forderungen stelle. Wenn ich die Pause beendet, signalisiere ich dem Pferd durch ein ebenso eindeutiges Signal oder Ritual das Ende der Pause und nehme die Kommunikation wieder auf. Ein so konditioniertes, funktionierendes „Pausenmanagement“ sichert uns in der Pause ein Maximum an Entspannung und Erholung und ein frisches Weiterarbeiten können danach. Auch für den Menschen ist eine solche Pause wirklich Erholung, da er das Pferd nicht reglementieren und korrigieren muss, weil es die Bedeutung einer Pause gelernt hat.

Belohungspausen – Pausen als Bestärkung

Eine Erholungspause ist also zunächst einmal keine Belohnung im Sinne einer Bestärkung, sondern Erholung und Pause von Anstrengenderem. Wäre Sie eine Belohnung, würde die Pause unmittelbar dazu beitragen, die Lektion vor der Pause zu verbessern. Das Pferd würde sich in der gewünschten Lektion bewusst mehr anstrengen, um im Anschluss daran eine Pause zu bekommen. Hier sprächen wir von Bestärkung! Diese würde sich dann nicht auf einen längeren Trainingsabschnitt beziehen, wie es bei Erholungspausen der Fall ist, sondern auf bestimmte Lektionen oder Abläufe.

Eine Pause nach einer negativen Verstärkung macht daraus keine positive VerstärkungTrotzdem hört man im Training immer wieder, dass Pausen als Belohnung eingesetzt werden können und sollen. Besonders im klassischen Natural Horsemanship ist Pause das Mittel der Wahl um Pferde zu belohnen, hier wird dann häufig von Komfort als natürliches Bedürfnis gesprochen. Doch auch im konventionellen Pferdetraining wird mit „Pause“ als Belohnung gearbeitet.

Eine Belohnung ist nur dann eine Belohnung im Sinne einer Bestärkung, wenn sie dazu führt, dass das Verhalten häufiger auftritt (sich verbessert). Damit dies der Fall ist, muss zunächst einmal ein Bedürfnis bestehen. Dies ist bei Futter als Belohnung nahezu immer der Fall, da unsere domestizierten Hauspferde fast immer Hunger haben – und sei es nur auf Abwechslung oder „hochwertigere“ Kost. Komfort als Belohnung kann jedoch in der Theorie nur dann funktionieren, wenn unmittelbar davor „Diskomfort“ bestand. Umgangssprachlich könnte man Diskomfort auch mit Unwohlsein bezeichnen. In den meisten Fällen wird das Unwohlsein durch das Hinzufügen von Druck entstehen. Führt das Pferd die Übung aus, tut es das, weil es weiß, dass der Druck aufrechterhalten oder erhöht wird, wenn es das nicht tut. Das eigentliche Bedürfnis des Pferdes ist hier nicht das Erlangen von Komfort/Pause, sondern das „loswerden“ des Diskomfort oder das Vermeiden von Druck. Auch ein Streicheln oder mit Futter belohnen kann den Umstand nicht ändern, dass das Pferd zunächst reagiert, um seinen unwohlen Zustand zu ändern. Sicherlich kann man die „Pause“ nach dem erwünschten Verhalten hierdurch etwas aufwerten, doch solange ich bereit bin, Druck anzuwenden und aufrecht zu erhalten oder zu erhöhen, bis das Pferd das gewünschte Verhalten zeigt, bleibt es eine negative Verstärkung. Im schlimmsten Fall bringen wir das Pferd in eine emotionale Zwickmühle, weil es zum einen unangenehme Folgen befürchtet, wenn es nicht reagiert, zum anderen aber am Ende eine Belohnung lockt, in Form von Futter oder Kraulen. In diesem Fall kann es dazu führen, dass Druck nicht mehr als so negativ empfunden wird und die Belohnung durch die Vermengung an Wert verliert.

Es ist nicht zu verurteilen, dass man sich diese Möglichkeiten im Training offen hält, denn ein (leider immer noch zu) großer Teil des täglichen Umgangs mit dem Pferd beruht nun einmal darauf, dass es dem von uns gemachten Druck weicht. Auf Unverständnis stößt bei mir jedoch die Aussage, dass nur diese Form von Training artgerecht wäre und eine Pause als Belohnung vom Pferd viel besser angenommen würde als z. B. Futter. Ob man eine solche Pause nach erfolgter negativer Verstärkung als Belohnung empfindet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist sie das unter den oben genannten Umständen nicht. Ich bezeichne dies eher als „aufgewertete Erholung“. Ob das Pferd sich in einer solchen Situation überhaupt erholen oder entspannen kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und ist nicht pauschal zu beantworten.

Pausen können durch alternative Verstärker aufgewertet werdenDoch im positiven Pferdetraining kann Pause als Belohnung funktionieren. Jedes Pferd hat Übungen, die es zunächst einfach nicht gerne ausführt, weil sie z. B. besonders anstrengend sind oder nicht den Vorlieben des Pferdes entsprechen. Tut es das Pferd dann doch, dann tut es das aus freien Stücken, weil es sich dafür entscheidet, die Anstrengung auf sich zu nehmen, weil am Ende eine Belohnung winkt. Mit Pause allein als Bestärkung, hätten wir das Pferd vermutlich gar nicht erst dazu gebracht, eine solche Lektion zu zeigen. Sie reicht einfach nicht als Anreiz aus, die Anstrengung auf sich zu nehmen. Durch Futter, und manchmal auch durch alternative Verstärker wie Kraulen, motiviert, kann man Pferde jedoch durchaus zu Höchstleistungen bringen. Hat das Pferd die Lektion gelernt, kann man nach erfolgreicher Lektion durchaus mit durch Verstärker wie Kraulen oder Streicheln aufgewertete Pausen belohnen und nur noch hin und wieder mit Futter belohnen. Doch auch hier sollte man ehrlich sein, ist nicht die Pause die Belohnung, sondern dass, was die Pause als Belohnung aufwertet. Und das kann nur sein, was das Pferd unbedingt haben möchte, so dass es sich auch weiterhin lohnt, dafür zu arbeiten.