[singlepic id=1387 w=320 h=240 float=right]Nun, dies ist wieder ein sehr persönlicher Blog über ein Thema, was mir immer wieder begegnet und viele von euch beschäftigt. Und wie immer, weiß ich keinen recht guten Einstieg, wenn es um solche Themen geht 😉 In den letzten Tagen läuft bei mir der neue Song von Natasha Bedingfield rauf und runter. “Strip me” handelt von der Einzigartigkeit eines jeden von uns. Es geht darum, dass das, was wir tun und sagen uns am Ende eines Tages zu dem macht, was wir sind und nicht die Meinungen anderer, die uns in eine Schublade zu stecken oder uns ändern wollen. Und darum, dass man an sich selbst glauben und sich nicht beirren lassen soll. Ein Song, mit einer wundervollen Aussage. Nun ist das aber alles andere als einfach, wie sicher viele von uns wissen.

Das soll jetzt bitte nicht klingen, als wollte ich mich beklagen, aber ich habe es sicher im Leben nicht einfach gehabt. Mein Übergewicht bot schon von jeher eine perfekte Angriffsfläche und ich habe mich nur zu gern davon runterziehen lassen. Lange Zeit wollte ich am liebsten gar nicht unter Menschen sein, weil ich mich geschämt habe, weil mir andere Menschen, teilweise Menschen die mich nicht mal gekannt haben, sehr deutlich zu verstehen gegeben haben, dass ich angeblich anders bin, weil ich nicht einer fiktiven Norm entspreche und nicht dazugehöre. Es gab Zeiten, zu denen es mich sogar unglaublich viel Überwindung gekostet hat, mich mit meiner Reithose und den Stiefeln mit der U-Bahn oder dem Bus auf dem Weg zum Pferd zu machen. Die Blicke anderer, die mich trafen, ganz zu schweigen von den Sprüchen, die ich mir anhören musste, brachten mich oft zum Weinen und manchmal bin ich sogar umgekehrt und nicht bis in den Stall gekommen. Vermutlich hätten diese Sprüche jemanden anderes getroffen, wenn ich nicht gerade vorbei gekommen wäre, aber für mich war das immer eine sehr persönliche Sache. Vielleicht ist das für viele von euch gar nicht nachvollziehbar. Für mich wahrlich keine einfache Zeit. Doch der Lohn dafür, dass ich den Weg hinter mich gebracht habe, stand im Stall und hat auf mich gewartet. Und ihm war es egal, wer oder wie ich bin. Anfangs stärkten die Pferde mir nur den Rücken, später hielten sie mir den Rücken frei, denn sie haben mir gezeigt, dass alles okay und richtig war. Mit der Erfahrung und dem Zugewinn an Sicherheit, wuchs auch mein Selbstvertrauen und irgendwann war es mir manchmal sogar egal, wenn man mich belächelte oder mir blöde Sprüche hinterher warf, denn durch die Partnerschaft zu den Pferden hatte ich gelernt, an das zu glauben, was ich kann und bin.

[singlepic id=1388 w=320 h=240 float=left]Doch ich gebe zu, die Zeit hat Narben hinterlassen in bestimmten Situationen möchte ich doch am liebsten einen anderen Weg gehen, wenn ich auf bestimmte Menschengruppierungen treffe, die mich an “damals” erinnern. Wenn Menschen voller Verachtung über uns sprechen, dann lässt das sicher niemanden von uns kalt. Mobbing und Schikane, um es einmal beim Namen zu nennen, sind leider zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden. Häufig ist beides nur ein Ausdruck von Schwäche, Ausdruck falscher Wertvorstellungen, und zwar nicht der des Betroffenen. Vielleicht ist es bei euch eine krumme Nase, oder die kurzen Beine, die Oberweite, die Figur, das Gewicht … sicher hat jeder irgendwas an sich, was er nicht mag und das an seinem Selbstbewusstsein nagt. Doch eins haben wir alle gemeinsam: das Herz am rechten Fleck.

Ich denke, viele von uns sind auch deshalb den Pferden so treu, weil sie einen nicht nach Äußerlichkeiten und Schubladen beurteilen, sondern uns nehmen, wie wir sind. Für sie zählt nur, was wir für sie tun und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten. Pferde geben uns jeden Tag eine neue Chance, ihr Freund zu sein, ganz egal, wie wir uns vorher einmal verhalten haben. Pferde vergessen nicht, aber sie sind nicht nachtragend und können akzeptieren, wenn Menschen sich ändern. So fängt mit jedem neuen Tag jeder auch ein kleines bisschen neu an mit seinem Pferd.

Ich habe schon sehr früh Zuflucht bei den Pferden gefunden und im kindlichen Sinne wollte ich sicher nicht, dass den Pferden das gleiche Schicksal wie mir zuteilwurde. Für mich waren und sind alle Pferde wundervolle, achtenswerte Geschöpfe. Ich hatte schon immer etwas übrig für die Pferde, die sonst keiner wollte. Ich konnte auch schon immer nicht ertragen, wenn Pferde ungerecht behandelt wurden. Daher habe ich immer schon versucht, es anders zu machen. Ich behandelte Pferde so, wie ich behandelt werden wollte. Und die Pferde dankten es mir mit Achtung und Respekt, aber auch mit Vertrautheit, Freundschaft und Partnerschaft. Eigenschaften, die nicht nur für die Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch selbstverständlich sein sollten, sondern auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Natürlich sollten wir unsere Pferde nicht zu sehr vermenschlichen, aber dennoch finde ich es nicht verkehrt, wenn man die Partnerschaft zwischen sich und seinem Pferd auch einmal aus diesem Blickwinkel betrachtet. Wenn mehr Menschen einen anderen Zugang zu Pferden hätten, wenn überhaupt sich mehr Menschen auf respektvolle Art und Weise mit Tieren beschäftigen würden, würde sicher aus dem ein oder anderen auch ein “besserer Mensch” werden. Jemand sagte einmal zu mir “Pferde sind die besseren Menschen” und ich kann nicht leugnen, dass darin mehr als ein Funken Wahrheit steckt.

[singlepic id=1386 w=320 h=240 float=left]Ich kann nur immer wieder sagen, dass zu einer gesunden Entwicklung der Partnerschaft mit dem Pferd gehört, sich von falschen Wertvorstellungen frei zu machen und sich wohl zu fühlen, mit dem was man ist und wie man ist. Denn Pferde merken, ob wir authentisch sind, es macht daher gar keinen Sinn, sich verstellen zu wollen. Ich finde es faszinierend, wie man unbewusst immer wieder damit konfrontiert wird. Jeder hat sicher schon einmal erlebt, wie man sein Verhalten ändert, wenn bestimmte Leute einem bei der Arbeit zuschauen. Und jeder hat vermutlich auch erlebt, dass vieles dann auf einmal nicht mehr funktioniert. Pferde sind daher wunderbare Lehrmeister sich mit sich wohl zu fühlen und ehrlich zu sich und seinen gegenüber zu sein. Wir müssen unseren Pferden und uns nichts beweisen und wir sollten uns nicht von dem leiten lassen, was andere über uns denken oder sagen. Kein anderer hat das Recht über uns zu urteilen, schon gar niemand, der uns nicht kennt. Niemand hat das Recht uns vorzuschreiben, wie wir uns verhalten dürfen oder sogar wie wir aussehen müssen, denn nur was wir tun und sagen, und auch was wir denken, macht uns zu dem, was wir sind.

Die Arbeit mit den Pferden hat mir über viele Jahre genau das gezeigt. Sie hat mir gezeigt, dass ich nicht einer bestimmten Norm entsprechen muss, um anerkannt zu werden, dass ich gut und richtig bin, so wie ich bin. Denn meine Pferde geben mir jeden Tag Anerkennung für das, was ich leiste. Es fällt mir schwer, dieses Lob anzunehmen, genauso wie es mir auch schwer fällt, Lob von anderen anzunehmen. Ich habe mich bis jetzt noch nicht daran gewöhnt, dass man mich nun kennt und die Leute in mir möglicherweise ein Vorbild sehen. Aber ich denke, es ist Zeit, es einfach als gegeben zu sehen und anzunehmen, was man mir für meine Arbeit mit den Pferden zurückgibt. Ich kann jedenfalls von mir sagen, dass ich nicht alles in die Wiege gelegt bekommen habe, sondern dass ich sehr lange, sehr hart dafür arbeiten musste, dass ich genau jetzt hier stehe, wo ich stehe. Ich möchte deshalb Mut machen, an sich zu glauben und für seine Träume zu kämpfen und sich nicht durch das Geschwätz anderer davon abbringen zu lassen und euch damit auch ein bisschen Dankbarkeit zeigen, weil nicht zuletzt auch ihr mir ermöglicht, meinen persönlichen Traum zu leben. Das ist keine Zaubererei, jeder von euch kann seine Ziele erreichen, wenn er daran glaubt und dafür arbeitet. Geholfen hat mir auch der Glaube daran, dass nur jemand der meine Gedanken, meine Arbeit und meine Einstellung nachempfinden kann, meine Arbeit auch beurteilen kann und weiß, wie viel es mir bedeutet und wie viel Liebe man hinein steckt. Daher freue ich mich über jedes nette Wort und versuche, es anzunehmen. Ist es nicht ohnehin so, dass gegenläufige Meinungen, grade wenn sie mit Unverständnis oder sogar Verachtung und Respektlosigkeit einhergehen, gar nicht wertend sein können, uns gar nicht erreichen, weil das Gegenüber einen ganz anderen Standpunkt vertritt und möglicherweise auch andere Ziele verfolgt? Natürlich sollte man sich nicht gänzlich vor den Meinungen anderer verschließen, aber man sollte lernen, zu beurteilen, wann diese einen erreichen dürfen und wann man sie gleichwohl ad acta legen kann. Man sollte versuchen, nicht alles so nah an sich ranzulassen, weil man selbstbewusst dahinter steht, was man tut. Letztlich zeigt uns unser Pferd doch, ob wir auf dem richtigen Weg sind und kein Außenstehender kann sich herausnehmen die Beziehung zu kritisieren, wenn er nicht in der Lage ist, diese objektiv zu beurteilen. Das hat mir auch später immer wieder geholfen, wenn mir Menschen und Trainer anderer Sichtweisen erklären wollten, dass ich auf dem falschen Weg bin oder irgendetwas nicht so machen kann, wie ich es nun einmal für richtig hielt. Man muss zu dem Stehen, was man tut, denn am Ende des Tages sollte man in den Spiegel schauen können und wissen, dass man sich nichts vorzuwerfen hat. Natürlich darf man sich auch mal schlecht fühlen in seiner Haut, aber man darf nicht sein Leben dadurch bestimmen lassen 😉

[singlepic id=1390 w=320 h=240 float=right]Mein erlebnisreicher Weg mit den Pferden hat mich selbstbewusster gemacht. Er hat mich stärker gemacht.  Er hat mir Selbstvertrauen gegeben, Selbstvertrauen, das mir in all den Jahren meine Mitmenschen nicht geben konnten, weil das Problem ganz allein bei mir lag und ich ganz allein damit zurecht kommen musste. Aber ich habe dazu gelernt und mich weiterentwickelt und die Pferde hatten ihren Anteil daran. Und wenn ich heute Fotos von mir und Tarek sehe, dann kann ich sie immer öfter ansehen und stolz darauf sein, sie schön finden, ohne mich zu kritisieren, weil ich ein Röllchen am falschen Fleck habe oder meine Oberschenkel zu dick sind, weil ich die Bindung zwischen uns sehe und die Liebe uns verbindet. Wenn ich Fotos von mir bei der Arbeit sehe, dann freue ich mich immer öfter darüber, ohne mich zu fragen, was andere darüber denken, denn ich sehe, dass mich keiner danach beurteilt, wie ich aussehe. Und wenn ich heute etwas tue oder sage, dann, weil ich glaube, dass es richtig so ist, wie es ist. Und wenn ich heute etwas an mir ändern will – und das will ich – dann, weil ich selbst es will und nicht, weil andere mir ihre Meinung aufgezwungen habe.

Ich möchte mit diesem Artikel vor allem auch denen Mut machen, die an sich selbst zweifeln, selbst wenn es nur manchmal ist, aus welchem Grund auch immer. Ihr seid liebenswert und verdient es und wenn ihr denkt, keiner glaubt an euch, dann seht in die Augen eures Pferdes und lasst euch eines Besseren belehren. Egal, was andere sagen, verliert nicht den Glauben an euch selbst und lasst euch nicht von eurem Weg abbringen.

Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere sich in meinen Worten wiederfindet und würde mich freuen, wenn ihr auch andere an euren Gedanken teilhaben lasst.

Im Audioblog würde jetzt das im Eingangstext erwähnte Lied für euch singen, aber noch könnt ihr wieder nach oben springen und auf „Play“ klicken 😉

Keep it natural, eure Sady