[singlepic id=1355 w=320 h=240 float=right template=caption]Wer kennt eine solche Situation nicht? Man ist total inspiriert, man füllt noch mal die letzten Wissenslücken und nimmt sich vor, diese Lektion genau heute auszuprobieren, zu verbessern oder einfach daran zu feilen. Voller Enthusiasmus und Motivation fährt man also in den Stall und spielt in Gedanken noch ein letztes Mal das Szenario durch. Angekommen im Stall putzt und sattelt man, führt das Pferd in die Halle, steigt auf und legt los und stellt fest: irgendwas stimmt nicht, irgendwas ist anders.

Sorgfältig bereitet man die Lektion vor und merkt schnell, dass das Pferd dazu heute eigentlich gar keine Lust hat oder man es selbst einfach nicht “gebacken” kriegt. Ganz offenbar scheint heute nicht der richtige Zeitpunkt für diese Aufgabe zu sein. Dabei wollte man doch heute unbedingt am Schulterherein (oder einer beliebigen anderen Übung :)) arbeiten. Und dann versucht man es noch mal und nochmal und vielleicht auch noch mal mit immer dem gleichen Ergebnis, es funktioniert nicht. Dabei hat man doch seiner Meinung nach alles für ein gutes Gelingen getan.

Nun haben wir zwei Möglichkeiten: weiter machen, bis es klappt (und möglicherweise dann doch abbrechen, weil man zu keinem befriedigendem Ergebnis kommt) oder es gleich sein lassen und frustriert abbrechen und ebenso frustriert nach Hause fahren. Aber haben wir wirklich nur die beiden Möglichkeiten? Ich gebe zu, es gab mal eine Zeit, in der ich tatsächlich nur an diese beiden Möglichkeiten gedacht habe und ich könnte wetten, dass es da draußen noch mehr Leute, denen es genauso geht.

Heute nenne ich solche Tage “Kompromisstage”. Das Leben läuft selten nach Plan X ab. Oftmals ist es die klügste Entscheidung, einen Kompromiss einzugehen, statt auf die Vollendung zu bestehen. In Kompromissbereitschaft zeigt sich nicht nur die Persönlichkeit einer Führungskraft, sondern auch der gegenseitige Respekt und das Verständnis füreinander, welche in einer Freundschaft ein wichtiges Gut sind. Die Möglichkeiten, sich mit seinem Pferd zu beschäftigen sind so vielseitig und jedes Pferd hat Lektionen, in denen es strahlt und glänzt, ganz ohne dass wir es hier zu besonders hohen Leistungen anspornen müssen. In solchen Momenten der Frustration ist es wichtig, einfach mal durchzuatmen und loszulassen von eigenen Wünschen und Vorstellungen. Ich bin mir sicher, euch werden Dinge einfallen, die genau jetzt genau richtig sind um die Stimmung zu heben. Und dann heißt es, genügsam sein und die Bereitschaft des Pferdes nicht zu sehr herausfordern – ganz egal, an wem es nun liegt. Für das Miteinander spielt dies ohnehin keine Rolle. Wie immer, Aufhören, wenn man ein für jetzige Verhältnisse gutes Ergebnis bekommt und in beideseitigem Einvernehmen Zufriedenheit vorherrscht.

[singlepic id=1357 w=320 h=240 float=left template=caption]Die Stunde abzubrechen mit einem schlechten Gefühl auf beiden Seiten trägt nicht zur Verbesserung der Beziehung bei – und genau das sollte einer unserer Prioritäten im Umgang mit unserem Pferd sein. Die Beziehung zu unserem Freund und Partner Pferd mit jeder Begegnung ein bisschen besser zu machen. Statt frustriert aufzugeben, sollte man also diese Chance zur persönlichen Weiterentwicklung nutzen.

Natürlich ist es grundsätzlich nicht verkehrt, einen Plan im Kopf zu haben. Aber da wir eben nicht immer gleich funktionieren, genauso wie auch unsere Pferde mal einen “ganz -andere-Wünsche-Tag” haben, sollten wir stets bereit und offen dafür sein, die Strategie zu ändern, wenn es nicht nach Plan läuft. Eine wichtige Entscheidung und selten eine Schlechte! Ansonsten gilt: Morgen ist auch noch ein Tag. Und wenn es Morgen auch noch nicht klappt, dann vielleicht nächste Woche, vielleicht auch in einem Moment, den man gerade nicht verplant hat.

Es muss nicht immer alles perfekt laufen und auch bei mir sieht es nicht immer alles schön aus. Auch ich bin manchmal frustriert und schaffe es, zugegeben, auch nicht immer, diese vollständig abzulegen. Daher ist es mir ein Bedürfnis euch zu sagen, dass schlechte Tage völlig in Ordnung sind. Entscheidend ist, wie man mit der Situation umgeht, darin zeichnet sich echtes Horsemanship und tiefes Verständnis aus. Man sollte sich nicht an diesen in unseren Augen nicht perfekten Ergebnissen festhalten, sich deshalb schlecht fühlen oder sich gar rechtfertigen wollen. Man sollte sie akzeptieren, als das was sie sind: eine Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung. Das Leben ist eine Entwicklung im Streben nach der eigenen Perfektion. Wirklich? Klare Ziele und Sinnbilder sind wichtig, aber wer will schon immer und vollständig perfekt sein (müssen)? Ich jedenfalls nicht, obwohl ich mir das hin und wieder auch vor Augen führen muss. Denn wer perfekt ist hat keinen Grund, sich weiter zu entwickeln.

Also, denkt daran, wenn mal wieder etwas nicht so läuft, wie ihr euch das vorgestellt habt!

Eure Sady